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<title>Parataxe</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Parataxe</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p>Die <b>Parataxe</b> (<span style="font-style:normal;font-weight:normal"><a href="Altgriechische_Sprache" title="Altgriechische Sprache">altgriechisch</a></span> <span lang="grc-Grek" class="Grek" style="font-style:normal">παράταξις</span> <style data-mw-deduplicate="TemplateStyles:r261937631">
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</style><span class="Latn" lang="grc-Latn" style="font-weight:normal;font-style:italic">parátaxis</span> „Beiordnung, Nebenordnung, Koordination“) ist in der <a href="Grammatik" title="Grammatik">Grammatik</a> die gleichrangige Aneinanderreihung von Sätzen oder, in einem weiteren Sinn, auch eine gleichrangige Reihung von Wortgruppen allgemein.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Das Gegenteil der Parataxe ist die <a href="Hypotaxe" title="Hypotaxe">Hypotaxe</a>, die Unterordnung eines Nebensatzes.
</p><p>Ein zusammengesetzter Satz, dessen Teilsätze Hauptsätze in parataktischer Beziehung sind, heißt in der deutschen Grammatik <a href="Hauptsatzreihe" title="Hauptsatzreihe">Hauptsatzreihe</a>. Die Bezeichnung <i>Parataxe</i> wird ebenfalls nicht nur für das Verfahren der Verknüpfung von zwei Hauptsätzen, sondern auch für das Resultat, die Hauptsatzreihe selbst, verwendet.
</p><p>Von Parataxe ist sowohl in der Grammatik bei der Klassifizierung grammatischer Strukturen die Rede, als auch in der Literaturwissenschaft bei der Charakterisierung eines Stilmerkmals von ganzen Texten. Obwohl der Begriff „parataktischer Stil“ für letzteres auf dem grammatischen Begriff fußt, sind die zugrunde gelegten Begriffe von Parataxe nicht vollständig deckungsgleich.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Parataxe_als_Satzverknüpfung_in_der_Grammatik"><span id="Parataxe_als_Satzverkn.C3.BCpfung_in_der_Grammatik"></span>Parataxe als Satzverknüpfung in der Grammatik</h2></div>
<p>Im grammatischen Sinn handelt es sich bei der Parataxe um eine gleichrangige Verknüpfung zweier Teilsätze, entweder durch koordinierende <a href="Konjunktion_(Wortart)" title="Konjunktion (Wortart)">Konjunktionen</a> wie <i>und, oder, aber, denn</i> (also <a href="Syndese" title="Syndese">„syndetisch“</a>) oder ohne Verbindungswörter (<a href="Asyndeton" title="Asyndeton">„asyndetisch“</a>) aber mit Setzung von Satzzeichen wie <a href="Komma" title="Komma">Komma</a> oder <a href="Semikolon" title="Semikolon">Semikolon</a>. Insofern ist die Parataxe bzw. Satzreihe immer noch ein Satz, nur eben ein zusammengesetzter.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<dl><dt>Beispiele</dt></dl>
<pre>• Die Kinder sind krank, ich muss zuhause bleiben. / Die Kinder sind krank und ich muss zuhause bleiben.
• Lateinisch: <i><a href="Veni%2C_vidi%2C_vici" title="Veni, vidi, vici">Veni, vidi, vici</a></i> „Ich kam, sah und siegte.“
</pre>
<p>Diese Art von gleichrangiger Satzverknüpfung steht im Gegensatz zum abhängigen Status eines Nebensatzes in seiner Anbindung an einen Hauptsatz. Diese wird oft durch unterordnende Konjunktionen vermittelt wie <i>dass, ob, weil...</i> etc.
</p><p>Es ist jedoch auch möglich, zwei Nebensätze in eine gleichrangige Verknüpfung zueinander zu stellen, also etwa in einer Koordination mit <i>und</i>. Sie werden dann gemeinsam eingebettet. Auch dies kann als parataktische Verknüpfung der beiden Nebensätze bezeichnet werden,<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> wie in folgendem Beispiel aus einem Grammatiklehrbuch:<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<pre>„Er liegt plötzlich da
[ohne sich erheben zu können,
getroffen von harten Lichtstrahlen <b>und</b> entblößt jeder Waffe und jeden Muts für den neuen Tag.]“
</pre>
<p>Hier sind die <a href="Partizip" title="Partizip">Partizipkonstruktionen</a> mit <i>getroffen...</i> und <i>entblößt...</i> satzwertige Konstruktionen in <a href="Adverbiale_Bestimmung" title="Adverbiale Bestimmung">adverbialer</a> Funktion, sie fungieren also als zwei gleichrangige Nebensätze nacheinander – das heißt, in parataktischer Verknüpfung.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="„Parataktischer_Stil“_in_der_Literatur"><span id=".E2.80.9EParataktischer_Stil.E2.80.9C_in_der_Literatur"></span>„Parataktischer Stil“ in der Literatur</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Rhetorische_Effekte">Rhetorische Effekte</h3></div>
<p>Parataxen aus einfachen Hauptsätzen werden in Texten verwendet, die sich nur auf das Wesentliche des Inhaltes konzentrieren. So kann der Eindruck entstehen, es würde einfach und wahrhaftig erzählt. Oder es würden materialreich Bezüge aufgelistet („Fallenlassen von Fakten und Namen“, <span style="font-style:normal;font-weight:normal"><a href="Englische_Sprache" title="Englische Sprache">englisch</a></span> <span lang="en-Latn" style="font-style:italic">fact and <a href="Namedropping" title="Namedropping">name dropping</a></span>). Aber auch der gegenläufige Eindruck einer undifferenzierten, undialogischen Aneinanderreihung von bloßen Behauptungen kann entstehen. Der parataktische Stil wirkt einerseits trocken und differenziert, bietet andererseits aber die Möglichkeit, eine lineare Argumentation sehr zwingend darzustellen.
</p><p>Beispiele findet man in den Texten <a href="Franz_Kafka" title="Franz Kafka">Franz Kafkas</a>, ganz besonders aber in der Literatur des <a href="Realismus_(Literatur)" title="Realismus (Literatur)">Realismus</a> sowie der Lyrik des <a href="Expressionismus_(Literatur)" title="Expressionismus (Literatur)">Frühexpressionismus</a>. In der Nachkriegsliteratur bediente man sich des parataktischen Stils bevorzugt, um eine Vielzahl widersprüchlicher, nicht weiter verarbeitbarer oder offen bleibender Eindrücke und Probleme aneinander zu reihen. So wird z.&nbsp;B. in <a href="Uwe_Johnson" title="Uwe Johnson">Uwe Johnsons</a> Roman <i><a href="Mutmassungen_%C3%BCber_Jakob" title="Mutmassungen über Jakob">Mutmassungen über Jakob</a></i> der parataktische Stil zum Ausdruck der Unfassbarkeit, Rätselhaftigkeit, Unlösbarkeit, wo sich das Eine unverbunden und unverstanden an das Andere reiht.
</p><p>Ein berühmtes Beispiel ist auch der Anfang des <a href="1._Buch_Mose" class="mw-redirect" title="1. Buch Mose">1. Buch Mose</a>:
</p>
<pre><i>Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.</i>
</pre>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Vergleich_mit_dem_grammatischen_Parataxe-Begriff">Vergleich mit dem grammatischen Parataxe-Begriff</h3></div>
<p>Die angesprochenen Beispiele erläutern einen „parataktischen Stil“, der definiert werden kann über eine „signifikante Häufung von Parataxen, d.&nbsp;h. eines (...) Satzbaus, der mindestens zwei einfache Sätze (...) miteinander verbindet.“<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> In dieser Deutung ist „parataktisch“ die Bezeichnung für einen Stil, der sich nicht nur durch parataktische Verknüpfung im grammatischen Sinn auszeichnet, sondern überdies durch den durchgängigen Gebrauch <i>einfacher Sätze</i>. „Der ungegliederte Hauptsatz dominiert.“<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Der grammatische Begriff einer <i>parataktischen Verknüpfung</i> beinhaltet dagegen nicht diesen zusätzlichen Faktor einer Abwesenheit von Nebensätzen. Vielmehr sind auch parataktische Verknüpfungen ganzer <a href="Satzgef%C3%BCge" title="Satzgefüge">Satzgefüge</a> möglich; das oben zitierte Beispiel zur grammatischen Parataxe war zunächst ein Teilzitat, es enthält in seiner vollständigen Form noch einen weiteren Teil; diese beiden sind wiederum parataktisch verknüpft:
</p>
<pre>„Eines Morgens wacht er auf, an einem Tag [den er vergessen wird]
<b>und</b>
liegt plötzlich da [ohne sich erheben zu können], [getroffen von harten Lichtstrahlen] <b>und</b> [entblößt jeder Waffe... (etc.)]“
</pre>
<p>Trotz der Anwesenheit von parataktischen Verknüpfungen an mehreren Stellen ergäbe die stilistische Einordnung hier einen „<a href="Hypotaxe" title="Hypotaxe">hypotaktischen Stil</a>“, definiert als eine „signifikante Häufung (...) von Sätzen aus grammatisch voneinander abhängigen Teilsätzen“<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> (abhängige Teilsätze sind im Beispiel mit eckigen Klammern markiert).
</p><p>Dies würde als Stilmerkmal jedenfalls zutreffen, wenn die gezeigte Art des Satzbaus einen ganzen Text kennzeichnet. Der Begriff des parataktischen Stils ist also außerdem auch darin anders, dass er auf der Textebene angesiedelt ist. Er bezieht sich daher wesentlich auch auf Abfolgen von getrennten Sätzen, zwischen denen die Satz<a href="Syntax" title="Syntax">syntax</a> keine Beziehung mehr definiert.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><span class="noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Wiktionary"></span></span></span><b><a href="https://de.wiktionary.org/wiki/Parataxe" class="extiw external" title="wikt:Parataxe">Wiktionary: Parataxe</a></b>&nbsp;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><span class="noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Wiktionary"></span></span></span><b><a href="https://de.wiktionary.org/wiki/Satzreihe" class="extiw external" title="wikt:Satzreihe">Wiktionary: Satzreihe</a></b>&nbsp;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><span class="noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Wiktionary"></span></span></span><b><a href="https://de.wiktionary.org/wiki/Satzverbindung" class="extiw external" title="wikt:Satzverbindung">Wiktionary: Satzverbindung</a></b>&nbsp;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.kinderundjugendmedien.de/index.php/begriffe-und-termini/rhetorik/1445-parataxe">Fachlexikon der Kinder- und Jugendmedien: Parataxe</a> – Bedeutungserklärung, Beispiele</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Letztere Definition gibt Walter Flämig: <i>Grammatik des Deutschen. Einführung in Struktur- und Wirkungszusammenhänge.</i> Akademie Verlag, Berlin 1991, ISBN 3-05-000686-2, S. 251.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Maria Averintseva-Klisch: <i>Textkohärenz.</i> 2. Auflage. Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2018. S. 25</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text"> vgl. Averintseva-Klisch (2018), S. 25: „Satzreihung (Parataxe), bei welcher mehrere Teilsätze, oft Hauptsätze, miteinander verbunden werden.“</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Maria Thurmair, Mechthild Habermann, Gabriele Diewald: <i>Duden – Grundwissen Grammatik.</i> Bibliographisches Institut, Berlin 2019. Kapitel 4, Lösung zu Übungsaufgabe 4b (keine Seitenzählung in der <a rel="nofollow" class="external text" href="https://books.google.de/books?id=MkmwDwAAQBAJ&amp;lpg=PT100&amp;ots=fbEfcQnNx-&amp;dq=parataktische%20beziehung&amp;hl=de&amp;pg=PT209#v=onepage&amp;q=parataktisch&amp;f=false">Online-Vorschau</a>). </span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text"> Es handelt sich anscheinend um kausale oder modale Adverbiale, die das Verb <i>daliegen</i> modifizieren, demnach wäre außerdem noch eine asyndetische Parataxe zum Infinitivsatz <i>ohne...zu...</i> anzusetzen. In der angegebenen Quelle werden die Partizipkonstruktionen stattdessen als noch tiefere Nebensatz-Ebene analysiert, die vom <i>ohne-</i>Infinitiv abhänge. Eine adverbiale Bedeutungsbeziehung zu <i>erheben</i> oder zu <i>ohne...</i> ist jedoch schwer herstellbar.</span>
</li>
<li id="cite_note-6"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-6">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Harald_Fricke" title="Harald Fricke">Harald Fricke</a>, <a href="R%C3%BCdiger_Zymner" title="Rüdiger Zymner">Rüdiger Zymner</a>: <i>Einübung in die Literaturwissenschaft: Parodieren geht über Studieren.</i> 5. Auflage. UTB / Schöningh, Paderborn 2007. S. 43.</span>
</li>
<li id="cite_note-7"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-7">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.li-go.de/prosa/rhetorik/hypotaxeparataxe.html">Literaturwissenschaftliche Grundbegriffe Online: Hypotaxe / Parataxe</a>, abgerufen am 23. Mai 2020.</span>
</li>
<li id="cite_note-8"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-8">↑</a></span> <span class="reference-text"> Fricke &amp; Zymner (2007), S. 43</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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